1

Akkuschrauber statt Trompete

Akkuschrauber statt Trompete

Renovierung Es sieht noch nach viel Arbeit aus, in dem zukünftigen Vereinsheim der Musiker. Sie wollen bis zum 50. Jubiläum im Jahr 2012 fertig sein. Etwa 3000 Arbeitsstunden wurden von den Musikern für ihr Heim schon geleistet. Das sind aber erst etwa ein Fünftel bis ein Viertel der Gesamtstunden.


 

Stefan Hrubesch arbeitet aktiv am neuen Vereinsheim des Musikvereins Oerlenbach mit. Es macht Spaß und fördert die Kameradschaft, meint er. Foto: Straub

 

Seit dem 31. Mai greifen sie Woche für Woche zu Hammer, Säge oder Akkuschrauber statt zum Instrument.
Das Haus im Hannbusch, das sie sich umbauen, ist über 100 Jahre alt. Die Gemeinde hatte es gekauft und stellt des dem Musikverein zur Verfügung. Die Pläne hat Vereinsmitglied und Architekt Burkard Kuhn gemacht. An dem Altbau gab und gibt es so manche Überraschung. Zunächst haben die Helfer Kuhstall und Scheune abgerissen. In der alten Scheune fanden sie 60 Jahre altes Stroh. "Das hat ganz schön gestaubt", sagt stellvertretende Vorsitzende Martina Straub.

Motivierte Musiker


Die Motivation der Musiker auf der Baustelle ist sehr groß. In einem Buch werden alle Helfer eingetragen und auch so mancher lustige Spruch des Tages oder eine Zeichnung sind zu finden. "Ich hätte am Anfang nicht gedacht, dass so viele helfen", sagt Martina Straub. Ihr Vater Klaus Münch, ebenfalls ein fleißiger Helfer auf der Baustelle, ergänzt: "Jetzt müsste es weitergehen, damit die Motivation bleibt." Im Moment kann wegen der Wetterlage nicht viel gemacht werden, und dann fehlen noch die Pläne des Statikers.
Im Haus ist es fast genauso kalt wie im Freien. Trotzdem sind wieder mindestens drei Helfer hier und arbeiten bei gefühlten minus zehn Grad. Aber warum tun sie das, wo es doch zuhause viel gemütlicher wäre? Marcel Distler erklärt: "Jeder Verein sucht sich in seinem Bestehen Ziele heraus, und unser Ziel heißt Vereinsheim." "Natürlich macht es auch Spaß", sagt Stefan Hrubesch, der am Dach Platten zwischen den Balken anbringt, damit anschließend isoliert werden kann. Außerdem, so meint Hrubesch "ist es gut für die Kameradschaft." "Das schweißt zusammen", bestätigt auch Distler.

Richtfest gefeiert


In dem Haus sind die Fußböden herausgerissen, der Putz wurde von der Wand geklopft, ganze Wände entfernt und andere aufgebaut, gegen aufsteigende Feuchtigkeit wurde isoliert, da das alte Haus keinen Keller hat, und ein Anbau für das Treppenhaus und die sanitären Anlagen errichtet. Richtfest war im November 2010.
Sobald die Pläne des Statikers vorliegen, wissen die Musiker, wie und wo die Dachkonstruktion, die übrigens noch in sehr gutem Zustand ist, abgestützt werden muss, damit sie alte Stützbalken herausnehmen können. Hier entsteht der rund 85 Quadratmeter große Probenraum. Die Decke zum Dach wurde entfernt, um die Akustik zu verbessern. An manchen Stellen sind noch die alten Wandmuster zu sehen, woanders blitzt Stroh zwischen den Balken heraus. Das Haus wird so isoliert, dass es den Niedrigenergiestandard erfüllt. Es wird praktisch nur zu den Probentagen beheizt und zwar mit Infrarot-Wärmeplatten, die mit Strom funktionieren, erklärt Martina Straub. Im Erdgeschoss werden Noten und Instrumente untergebracht.
Bislang üben die Musiker im Pfarrheim. Doch da geht es oft recht eng zu. Noch stehen eine ganze Menge Arbeiten an. So werden die alten Fenster gegen neue ausgetauscht, Strom und Wasser werden verlegt, und die Sanitärbereiche müssen noch komplett gefliest und ausgestattet werden. Innenputz und Fußboden werden wieder aufgebaut, neue Bodenbeläge und Türen kommen hinein. Der Außenbereich muss hergerichtet und einige Stellplätze angelegt werden. Die Musiker werden noch oft Hammer, Säge oder anderes Werkzeug schwingen, bis ihr Heim fertig ist. Die Gesamtkosten werden auf 195 000 Euro geschätzt. Einen großen Teil trägt die Gemeinde, den Rest der Verein in Eigenleistung.


 

 

print